Janne Stiak am Rande der Rennstrecke zeigt auf ein Banner mit dem Aufdruck Nummer 1 beim PorscheCup.
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Janne Stiak ist auf dem Weg Profirennfahrer zu werden. Die Ausbildung als Elektroniker ist sein Plan B, falls es mit der sportlichen Karriere nicht klappt.

Teilzeitausbildung Ausbildung, die ins Leben passt

Hannover.- (see) Während Teilzeitmodelle im Arbeitsleben mittlerweile weit verbreitet sind, geht man in der Ausbildung in der Regel noch immer von einer 40-Stunden-Woche aus. Und wenn von Teilzeitausbildung die Rede ist, dann denkt man zuerst daran, dass Familie und Beruf unter einen Hut gebracht werden müssen.

In den Startlöchern für zwei Karrieren

Bei Janne Stiak ist es allerdings ein anderer Grund, warum er seine Ausbildung zum Elektroniker nicht in Vollzeit macht. Nebenbei fährt der 18-Jährige aus Steinhude Motorrennen. Seit drei Jahren dreht er im Porsche Carrera Cup Deutschland sehr erfolgreich seine Runden und schloss im Markenpokal 2025 als bestplatzierter deutscher Pilot ab.

„Ich wollte die Chance Profirennfahrer zu werden unbedingt nutzen. Dass ich die Ausbildung parallel machen kann, ist gut, damit ich einen Plan B habe, falls es mit der sportlichen Karriere nicht klappt“, erzählt der 18-jährige Stiak, der seine Motorsportkarriere mit zwölf Jahren im Rennkart begann.

Unterschiedliche Teilzeitmodelle möglich

„Mit Teilzeitmodellen können Betriebe Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen eine Perspektive bieten. Seit 2020 ist lediglich die Voraussetzung für eine Azusbildung in Teilzeit, dass sich beide Vertragsparteien darauf verständigen und die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden“,  erläutert Ausbildungsberaterin Anja Meyer von der Handwerkskammer Hannover.

In erster Linie seien es nach wie vor Personen, die ein Kind betreuen oder Angehörige pflegen, „aber es gibt auch ältere Auszubildende, die nicht mehr von ihren Eltern unterstützt werden. Sie möchten die Ausbildung gerne absolvieren, sind aber auf ein zusätzliches Einkommen angewiesen“, so Meyer. „Wenn ein Betrieb sich in solchen Fällen auf eine Teilzeitausbildung einlässt, hat er eventuell langfristig eine loyale Fachkraft gewonnen, die danach mit voller Stundenzahl arbeiten kann.“

Bei Stiak wird die Ausbildung viereinhalb statt dreieinhalb Jahre dauern. „Im Winter arbeite ich voll in meinem Ausbildungsbetrieb, der PV Green GmbH. Im Sommer bin ich auch mal ein oder zwei Wochen am Stück nicht da“, erzählt der Auszubildende im 2. Lehrjahr.

Zweigleisig fahren funktioniert

Das klappe ganz gut, berichtet Chef und Ziehvater Cord Kappe, der ihn in seinen Ambitionen Profirennfahrer zu werden,  voll und ganz unterstützt. „Es ticken zwei Herzen in meiner Brust: ich wünsche ihm, dass er die Ausbildung erfolgreich beendet, aber ich drücke ihm für eine Profikarriere ebenso die Daumen“, sagt der 59-Jährige, der sich mit seinem Betrieb auf Photovoltaikanlagen spezialisiert hat.

In diesem Jahr entscheidet sich, ob Janne Stiak Profirennfahrer wird. Im Sommer wird er in den USA einige Rennen fahren und hofft auf ein Angebot von Rennställen, die noch Fahrer suchen. „Und das sieht auch gar nicht so schlecht aus“, meint Stiak optimistisch. „Aber die Ausbildung will ich trotzdem in jedem Fall zu Ende machen.“ (23.03.2026)