Ein Geselle lotst einen anderen mit verbundenen Augen drei Treppenstufen hoch.
Handwerkskammer Hannover/Christine Seeger
Ein wichtiger Bestandteil des Gesellenworkshops: Die Übung um Vertrauen aufzubauen.

Gesellenworkshop „Alle sollen an einem Strang ziehen!“

Hannover.- (see) Die wichtigsten Personen für eine gelungene betriebliche Ausbildung sind in der Regel die Gesellinnen und Gesellen, die die Auszubildenden anleiten und ihnen im betrieblichen Alltag alles Wichtige beibringen. Aber oft hakt es allerdings. Selbst noch junge Gesellen und Gesellinnen verstehen manche Verhaltensweisen der neuen Kolleginnen und Kollegen nicht. Wundern sich, dass sie nicht alles behalten, was sie am Tag zuvor gelernt haben. Sind erstaunt, dass Pünktlichkeit nicht mehr selbstverständlich ist.

„Um diese Missverständnisse und Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule in den Beruf gar nicht erst aufkommen zu lassen, bieten wir bereits seit vielen Jahren einen zweiteiligen Gesellenworkshop an, der genau dort ansetzt“, erläutert Bettina Wolf-Moritz. Zusammen mit ihrem Kollegen Christian Bunzel gestaltet und moderiert sie für jeweils ca. 20 Ausbildungsbeauftragte aus Handwerksbetrieben zwei Workshoptage.

„Ich habe sehr viel gelernt. Über mich und über die jungen Leute.“

„Ich muss zugeben, ich hatte Vorurteile. Dachte, es wäre langweilig und konnte mir nicht vorstellen, was man zwei Tage lang machen soll“, schmunzelt Vedat Arslan. Der Kfz-Mechatronikergeselle bei CarUnion Barsinghausen wurde von seinem Chef zu den Workshops geschickt. „Bei uns hat zwar jeder Geselle mal einen Azubi an der Seite, aber mir macht es besonders viel Spaß ihnen etwas beizubringen“, erzählt Arslan.

Portrait von Kfz-Mechatroniker Vedat Arslan
Handwerkskammer Hannover/Christine Seeger
Kfz-Mechatroniker Vedat Arslan von Car Union Barsinghausen

Es kam dann aber anders, es wurde nicht langweilig, sondern richtig interessant und spannend mit vielen praktischen Übungen. „Ich habe sehr viel gelernt. Über mich und über die jungen Leute“, sagt der 29-Jährige. „Als Geselle denkt man, dass die eigene Sicht der Dinge stimmt. Ich habe vorher nicht darüber nachgedacht, dass den Auszubildenden nicht automatisch alles klar ist, was ich für selbstverständlich halte“, so Arslan.

„Das A und O in der Ausbildung ist ein stetiger und ausführlicher Austausch mit den Azubis“, weiß Wolf-Moritz. „Die Gesellen erfahren, wie sie Auszubildende gezielt unterstützen, damit diese zunehmend selbständiger lernen und arbeiten.“ Außerdem werden folgende Fragen bearbeitet: Wie ticken Jugendliche? Welche Rollenerwartungen haben Ausbilder und Auszubildende? Wie funktioniert "richtiges" Lernen? Wie leite ich am besten an? Wie motiviere ich Azubis? Wie können Konflikte vermieden und gelöst werden?

"Ich empfehle den Workshop allen Gesellen."

„Ich habe meinem Chef empfohlen, dass alle Gesellen bei uns die beiden Workshoptage machen, denn allein mit der Weitergabe des Wissens funktioniert keine Verhaltensänderung“, ist Arslan überzeugt. „Ich habe aus den Workshops mitgenommen, dass sich auch der Ausbilder reflektieren muss: Mache ich alles gut und richtig? Man sollte öfter beim Azubi nachfragen, ob er alles verstanden hat. Und wenn nicht, warum nicht. Außerdem ist gegenseitiges Vertrauen wichtig. Das Ziel muss sein, dass alle an einem Strang ziehen, dass der Azubi schnell Teil des Teams wird. Und: Wenn die Azubis sich unwohl fühlen, sollen sie sich auch trauen, das auch anzusprechen“, listet Arslan seine neu gewonnenen Erkenntnisse auf. (10.04.2026)



Kontakt:

Bettina Wolf-Moritz

Beauftragte für Qualitätssicherung im Geschäftsbereich Bildung und Recht

Tel. +49 511 34859 472

Fax +49 511 34859 432

wolf-moritz--at--hwk-hannover.de



 Melden Sie Ihren Gesellen gleich für den nächsten Durchlauf im September/Oktober an.